deceptual art III (Home Collection Spring/Summer 2005)

2005






Die Bilderserie decptual art III (Home Collection Spring/Summer 2005) scheint in der Tradition konstruktivistischer, monochromer Malerei zu stehen. Einer größeren monochromen Farbtafel sind drei weitere kleinere, monochrome Tafeln zugeordnet. Die vier Farbtafeln sind das Abbild jeweils einer Farbkarte, die von einem Farbenhersteller zur Vermarktung seiner Farben produziert wurde. Die Farben, mit denen die Bilder bemalt wurden, entsprechen den Farben der Karte. Die verwendeten Farbtöne sind auf der Farbkarte codiert und wurden entsprechend dieser Codierung erworben. Die scheinbar gegenstandslosen Bilder stellen sich als mimetische Abbilder von Farbkarten heraus. Der Eindruck konstruktivistischer Malerei ist lediglich vordergründig.

Auf diesen Farbkarten, die das Vorbild meiner Malerei sind, werden jeweils vier verschiedene Farben nach ästhetischen Gesichtspunkten angeordnet. Es handelt sich hier nicht um Farbkarten, die eine bestimmte Farbskala oder die Vielfalt einer Produktreihe zeigen, sondern um die Darstellung eines Farbkonzepts zum Zweck der Innendekoration. Die Karten sollen den Kunden in ihrer Kaufentscheidung helfen. Es sind Vorschläge für Farbzusammenstellungen und somit ästhetische Konzepte entwickelt von einem Farbenhersteller.

Indem ich diese ästhetischen Konzepte abmale, eigene ich sie mir an. Scheinbar stehe ich hiermit in der Tradition der „appropriation art“. Aber es geht hier nicht um die Aneignung einer Bildästhetik eines anderen Künstlers und schon gar nicht um eine Aneignung mit jenem heroischen Gestus, der der „appropriation art“ zumeist zugeschrieben wird. Weder werden hier die bekannten Heldenepen der Kunst reinszeniert, noch verletze ich hier irgendein Autorenrecht (obwohl ich eben nicht der Autor dieser von mir abgemalten Farbkonzepte bin). Ich erwerbe die Farben entsprechend der Anordnung auf der jeweiligen Farbkarte. Indem ich konsumiere, eigne ich mir ein ästhetisches Konzept an. Wenn ich diese farblichen Dekorationsvorschläge abmale, muss ich vorerst nicht nur die Produkte eines Farbenherstellers erwerben, sondern auch sein ästhetische Konzept konsumieren, das er zum Zweck der Vermarktung seiner Farben entwickelt hat. Trotz meinem Versuch die Aneignung einer Ästhetik durch Konsum zu betonen, werde ich hier aber auch zum Produzenten dekorativer Bilder. Und diese vermarkte ich nicht wie der Farbenproduzent im Baumarkt, sondern am Kunstmarkt, wo ich eine möglichst hohe Rendite zu erzielen hoffe.
(Theo Ligthart)









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